#PERSONAL: Instagram – Groß gelebte Träume oder alles doch nur Show?

Es ist ein regnerischer Tag und in der Luft liegt eine ebenso trübe Stimmung. Die Menschen um mich herum sind gestresst, genervt und unfreundlich. Ein dunkelgrauer Schleier liegt über der Welt.

„Zeit für etwas Aufmunterung.“, denke ich mir, schnappe mir mein Smartphone und scrolle durch meinen Instagram-Feed: Unglaubliche Bilder, fantastische Kulissen, atemberaubend leckeres Essen, sonnengebräunte Beine und straffe Bäuche. Hotelsuiten, Flughäfen, teure Jachten, Strände und am geschmückten Handgelenk schwingen Celine, Yves und Chloé selbstverständlich mit. Ein paar Sekunden geht es mir besser. Ich bin angetan von diesem schönen Leben und gleichzeitig auch kurz etwas neidisch. Dabei kenne ich als Insider doch das Spiel und müsste es eigentlich besser wissen. Ich müsste besser wissen, dass hinter den schön verpackten Bildern erkaltete Mahlzeiten, eingezogene Bäuche und Luxus-Accessoires stehen, die zum Teil sogar nur geliehen sind. Instagram ist nicht zu trauen und doch konsumiert die bunte App jeder von uns. Da geht es mir nicht anders als euch. Auch ich poste die Highlights: die schönen Klippen vom Hillside Beach Club. Die traumhaften Strände der Malediven –  nicht das öde Hotelzimmer, indem ich zwar unglaublich gut schlafe, das aber nicht Instagram-tauglich ist. Das ist eben so. Jeder von uns macht das. Warum? Ich kann nur für mich sprechen: ich liebe Inspiration. Bilder, die im Kopf bleiben und Sehnsüchte wecken. Ach, ja. Sehnsüchte wecken – die wohl älteste Marketing-Strategie überhaupt. Aber sie funktioniert. Immer.

 

Girlssquat & Crewlove – oder doch alles nur Show?

 

Doch für mich ist Instagram mehr als das: Es ist ein bunter digitaler Katalog voller Inspiration. Doch es gibt einen Unterschied zwischen Taschentrick und der Kunst, schöne Dinge greifbarer zu machen. Der Unterschied lautet Authentizität. Und die erlangt man nicht, indem man mit piepsiger Stimme vor der Smartphone-Kamera kurz auf und ab hüpft und dabei seinen sonnengebräunten Body zeigt. Wenn man sich einmal all diese Fotos ungefiltert anschaut, sieht man im Grunde nur eines: Mädels, die feiern und auf Konzerten dieser Welt tanzen, weil sich ein gesponserter Hashtag dahinter versteckt. Ich sehe Reisen, die nur stattfinden, weil ein Veranstalter mal wieder etwas Marketing-Budget locker gemacht hat, um ein paar vermeintlich befreundete Blogger-Girls auf Reisen zu schicken. Schön geschmückt mit dem Hashtag #girlssquat und #crewlove. Weil man sich offline auch so fabelhaft versteht?

Mit der Zeit frage ich mich mehr und mehr, ob all diese groß gelebten Träume am Ende doch nur Show sind? Ist das alles echt oder verkauft sich dieser Lifestyle nur gut?

„Sie sieht so umwerfend auf ihren Fotos aus. Diese Jacke brauch ich auch!“ „Wow! Sie ist so beliebt – wäre ich nur ein bisschen mehr wie sie, dann färbt ihre Coolness sicher auch auf mich ab.“ Doch das einzige, was aus so einem Denkverhalten resultiert, ist weniger Kohle auf dem Konto, Kopfzerbrechen und Neid. Und Neid macht nicht nur hässlich, sondern vor allem auch sehr sehr einsam.

 

Wirklich glücklich ist der, der einen Scheiß auf die vermeintlich groß gelebten Instagram-Träume gibt.

 

Sind wir einmal ehrlich zu uns selbst: Ist dieser Lifestyle, der uns dort täglich auf Instagram präsentiert wird, wirklich so relevant? Ob echt oder doch nur eine große Illusion – herausfinden werden wir es nie und ändern können wir es schon gar nicht. Was wir aber ändern können, ist unsere eigene Einstellung und wie wir mich solchen Situationen umgehen. Klar, das klingt jetzt wie ein abgedroschenes Pinterest-Zitat, aber es ist was wahres dran!
Ob wir glücklich sind, entscheiden nicht die anderen, nicht irgendwelche schönen Designertäschchen, die wir auch gern hätten. Ob wir wirklich glücklich sind, entscheiden wir selbst ganz allein. Und das jeden Tag auf’s Neue. Man ist nicht automatisch glücklicher oder fühlt sich anderen überlegen, weil die eigenen Bilder mehr Likes haben, als die der Freunde. Wirklich glücklich ist nämlich der, der einen Scheiß auf die vermeintlich groß gelebten Instagram-Träume gibt und an seinen eigenen, ganz persönlichen Träumen arbeitet – irgendwo da draußen. In der realen Welt.

Kritiker werden jetzt vermutlich sagen, dass ich doch als Bloggerin selbst ein Teil des Problems bin. Gerade weil ich immer nur die schönen Dinge poste und die Highlights zeige. Und zum Teil haben sie sogar Recht damit. Aber ich kann ehrlich mit euch sein und euch versuchen die Augen zu öffnen, dass man die bunten Bilder auf Instagram nicht als seine persönlichen #Lifegoals ansehen oder sich einreden lassen sollte, dass man nur erfolgreich im Leben ist, wenn man ein reichweitenstarkes Profil sein eigen nennt. Meine Bilder sollen keinen Druck auf euch ausüben, sondern in erster Linie inspirierend sein.

Ich glaube, die Lösung des Problems liegt nicht darin, mit dem Sharen von schönen Bildern aufzuhören, sondern eher das mühselige Vergleichen unseres realen Seins mit virtuellen Accounts einzustellen. Denn viele vergessen oft, dass ihr Leben auch so total in Ordnung ist – auch ohne Chloé am Arm und dem Ikea-Schafsfell über dem Eames DAW Stuhl.

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