#PERSONAL: Warum ich (vorerst) nicht mehr an Lauf-Wettkämpfen teilnehmen kann

Zu Beginn dieses Artikels möchte ich gleich mal reinen Tisch machen: für mich verlief der Tegernseelauf dieses Jahr ganz anders als erwartet. Und aus diesem Grund wird auch dieser Beitrag anders als erwartet …

 

 

Es hätte alles so schön sein können: Bereits im Mai fragte mich adidas, ob ich Lust hätte für das Sportunternehmen aus Herzogenaurach beim diesjährigen Tegernseelauf an den Start zu gehen. Natürlich war ich sofort Feuer und Flamme, da ich Lauf-Wettkämpfe liebe und so sagte ich zu. Was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wusste, war, die Tatsache, dass eine Teilnahme an dem Lauf für mich unmöglich sein sollte.

 

Eine folgenschwere Diagnose

 

Mitte Juli fing der ganze Spaß an. Immer wieder hatte ich so starke Schmerzen im Sprunggelenk, dass selbst normale Bewegungen beinnahe zur Qual wurden. Bei längerer Belastung (egal, ob laufend oder viel stehend) schwollen meine Fesseln an, der Fuß wurde dick und blau und es fühlte sich an, als würde mein Sprunggelenk „versteifen“ oder „einrosten“. Dass meine Klumpfüße mir öfters mal Probleme bereiteten, war keine Überraschung. Dass sie mich augenblicklich aber so sehr einschränkten, dass ich nur noch unter Schmerzen meinen Alltag bewältigen konnte, schon. Natürlich könnte ich so ignorant mit meiner eigenen Gesundheit umgehen und Tabletten schlucken und einfach weitermachen wie bisher. Aber so bin ich nicht und so schleppte ich mich zum Arzt. Insgesamt suchte ich vier (!) verschiedene Orthopäden auf – allesamt mit dem gleichen verbitterten Gesichtsausdruck und einer identischen Diagnose: fortgeschrittene Arthrose und ein ventrales und laterales Impingement im Sprunggelenk. Heilungschancen? Gleich null. Es kam sogar noch schlimmer – zwei von vier Ärzten prophezeiten mir, dass ich maximal noch zwischen 5 bis 10 Jahre „normal“ laufen könne. Eine Diagnose, die ich in so jungen Jahren wirklich niemanden wünsche.

 

 

Ich könnte euch jetzt erzählen, wie toll der Tegernseelauf war, dass die Stimmung nicht hätte besser sein können und dass ich meine schnellste Pace aller Zeiten gelaufen bin. Aber das wäre gelogen. Es wäre nicht echt. So hart es vielleicht ist, aber manchmal besteht das Leben nicht aus buntem Konfetti und „Das-Leben-ist-schön“-Parolen. Manchmal kann das Leben auch richtig ätzend sein. Und das wird es auch immer. Das war 1999 so, 2009 und auch im Jahr 2017 wird es Momente geben, in denen man das Leben so richtig zum kotzen findet. Aber man hat immer die Wahl: Macht man das beste aus der Situation und sucht nach Lösungen oder gibt man einfach auf, findet sich mit der Situation ab und bemitleidet sich selbst. Ich habe mich für ersteres entschieden.

 

Aufgeben ist keine Option. Niemals!

 

Ich habe alle die Jahre gekämpft. Gekämpft für ein normales, für ein besseres Leben. Gekämpft für Akzeptanz. Für Vertrauen. Und das war gut.
Diesen Mut, diese Bereitschaft, seine Träume zu verwirklichen und sich von nichts und niemanden aufhalten zu lassen, ist der Grund warum ich heute hier bin, wo ich bin. Und vor allem habe ich ZU sehr gekämpft, um mich von so einer lebenseinschneidenden Diagnose unterkriegen zu lassen. Es gibt keine Heilungschancen? Okay, dann finde ich sie eben. Aufgeben ist keine Option. War es niemals und wird es niemals sein. Ich konnte vielleicht am Tegernseelauf nicht teilnehmen und vielleicht auch an keinen weiteren Lauf-Wettkämpfen. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, eigenständig meinen Alltag zu meistern und ohne fremde Hilfe von A nach B zu kommen. Ich lasse es mir nicht nehmen, sportlich aktiv zu sein. Ich lasse mir es nicht nehmen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Manchmal braucht es nur Vertrauen (und vielleicht den einen oder anderen Schluck Wein). Vertrauen in die Welt und in sich selbst. Denn vom Mond aus betrachtet, wirken Probleme so viel kleiner, als sie sind. Das mag blumig und theoretisch klingen, aber es ist wahr.

Was du für diesen Moment vielleicht bist, bist du niemals für immer.

 

 

Ich möchte meinen Dank an dieser Stelle an adidas und die Girls Roxi, Elena und Julia aussprechen, die immer und zu jeder Zeit Verständnis für meine Situation hatten. Denn egal, was im Leben geschieht: die Gesundheit steht immer an erster Stelle. DANKE!

 

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