#PERSONAL – Irgendwo zwischen dir und mir

Er liegt neben mir. Atmet ganz ruhig und gleichmäßig. Seinen Kopf hat er an meinen Hals gelegt und seine Hand streichelt sanft über meinen nackten Bauch. Während ich so daliege fühle ich mich okay. Nicht euphorisch, nicht süchtig und auch nicht berauscht, sondern einfach okay. Und irgendwie besänftigt.

Er ist ein toller Mann – wenn auch nicht der perfekte. Aber vermutlich der interessanteste, dem ich seit einer ganzen Zeit begegnet bin.
Ich versuche den Moment festzuhalten. Seine Nähe, seine Berührungen zu genießen. Doch ich kann nicht. Obwohl – ich kann schon. Ich bin mir nur nicht mehr so sicher, ob ich das überhaupt will. Vielleicht hat mein Herz dazugelernt. Ich bin klüger geworden und stürze mich und mein Herz nicht mehr blind, ungebremst und voller Euphorie ins nächste Abenteuer. Ich mag es einem Menschen nah zu sein, keine Frage. Aber die wahre Nähe, die emotionale Nähe, das ist schwer. Und mit jeder Enttäuschung, jedem freien Fall wird es noch viel schwerer.

 

Ich bin blind für ruhige und unaufgeregte Beziehungen.

 

Ich frage mich, ob ich mich überhaupt noch verlieben kann. Nein, ich meine keine kleinen Schwärmereien, sondern aufrichtige, tiefe Zuneigung für jemanden zu empfinden. So sehr, dass es weh tut, wenn er nicht an meiner Seite ist. All die schmerzhaften Erfahrungen der vergangenen Monate und Jahre haben mich blind für ruhige und unaufgeregte Beziehungen werden lassen. Es ist, als gehöre der Kampf und der Schmerz zwangsläufig dazu, wenn ich mich verlieben will. Lasse ich Verliebtheit nur noch zu, wenn sie unerfüllt ist, wenn sie mir weh tut? Weil es der Schmerz ist, den ich brauche, um endlich sehen zu können, was besonders ist?

 

 

Ich weiß nicht, ob ich es mir so einfach machen will. Liebe ist so viel mehr als eine Entscheidung. Wir können uns entscheiden zu vertrauen und dem anderen einen Chance zu geben, aber wir können nicht entscheiden, ob wir uns verlieben. Liebe ist so viel mehr als ein Wort, es ist ein Gefühl, dass auf vollkommen unterschiedlichste Art in dein Leben treten kann. Manchmal kommt es laut und stürmisch daher, dann wieder leise und unaufgeregt und ein anderes Mal vollkommen überraschend und mitreißend. Unsere Emotionen, unser Herz funktioniert nicht über pure Vernunft. Es wird vom Kopf gesteuert und vom Bauch balanciert. Ich muss mich korrigieren: das Herz lernt niemals dazu. Es ist unser Kopf, der es tut.

 

Ich bin gefangen zwischen Misstrauen, Zuversicht und Sehnsüchten. Zwischen zu wenig und viel zu viel. Ich bin immer zwischen dem, was ich brauche, was ich haben will. Und zwischen dem, was ich nicht haben kann.

 

Obwohl ich mich schwer tue, Nähe ernsthaft zuzulassen, würde ich behaupten, dass ich doch viel mehr empfinde, als viele andere Menschen. Mein ganzer Körper ist voll von Emotionen – sie zu zeigen und loszulassen, das ist es, was mir nach all dem so schwer fällt. Ich kann nicht mehr vertrauen, mich nicht mehr fallen lassen – auch wenn ich mir nichts mehr wünschen würde, als das. Ich bin gefangen zwischen Misstrauen, Zuversicht und Sehnsüchten. Zwischen zu wenig und viel zu viel. Ich bin immer zwischen dem, was ich brauche, was ich haben will. Und zwischen dem, was ich nicht haben kann. Ich bin irgendwo – irgendwo zwischen dir und mir.

Es verunsichert mich, dass ich in einer Sekunde so viel empfinde, wie schon lange nicht mehr. Und in der anderen Sekunde trete ich wieder vollkommen entschleunigt auf das Bremspedal. Ich kann meinen Gefühlen nicht mehr trauen. Sie verwirren mich. Und das, obwohl es meine Leidenschaft für Emotionen ist, die mich als Mensch so einzigartig macht.
Ich gehöre nicht zur Generation Beziehungsunfähig und doch weise ich zuweilen Verhaltensweisen auf, von denen man annehmen könnte, dass ich doch nur die Karikatur unserer heutigen unverbindlichen Gesellschaft bin. Früher schmiss ich vollkommen naiv mit meinen Gefühlen um mich und alle sagten, das sei falsch. Ich wäre zu sensibel. Ich fing an die Dinge nüchterner zu betrachten; ihnen jeglichen Zauber zu entziehen. Und heute? Heute wünschte ich, ich könnte noch einmal so unbefangen und naiv mit dem Konfetti meiner Gefühle um mich schmeißen.

 

 

Bis jetzt sehe ich keine Lösung. Ich kann nur hoffen, dass irgendwann ein Moment kommen wird, an dem ich die Bremse mit dem Gaspedal verwechsle und ganz zufällig mitgerissen werde – auf eine Fahrt ins Ungewisse. Auf eine Fahrt zu dir und mir.

6 Comments

  • Hallo liebe Bea ich kenne das Gefühl zu gut und ich bin schon soweit das ich denke das ich nicht mehr lieben kann ich hoffe ich kann es wieder lernen und finde auch wieder das Gaspedal und ich fahre mit Vollgas und Gefühlen und Emotionen durch die Welt

    • Liebe Kurhexe,

      eigentlich schade, dass es offensichtlich einigen so geht. Allein bei Instagram haben mir viele viele andere Mädels geschrieben, dass sie genauso empfinden. Unfassbar traurig, aber ich hoffe, dass jeder von uns, der dieses Problem kennt, irgendwann auf eine ganz besondere Person trifft, um sich dann mit durchgedrücktem Gaspedal in ein neues Abenteuer stürzen zu können. 🙂

      Liebe Grüße

      Deine Bea

  • Ach, liebe Bea,
    das hast Du total schön geschrieben und ich verstehe Dich vollkommen. Gerade, wenn man so ein emotionaler, offener Mensch ist, wie Du es bist, trifft es einen umso schwerer, wenn man verletzt wird. Gerade in der heutigen Zeit, der „Generation beziehungsunfähig“ und auch – wenn Du mich fragst – „unverbindlich“ gehen viele mit den Emotionen anderer rücksichtslos um. Menschen sind viel zu austauschbar geworden und viele kämpfen nicht mehr für eine Beziehung, sondern „wischen“ wie bei Tinder einfach weiter, bis der nächste potentielle Partner vom Bildschirm strahlt. Bis der dann wieder eine zu anstrengende Macke hat.
    Doch gerade – wie Du selbst schon sagst – Emotionen machen einen aus und können auch etwas wunderschönes sein. Ich wurde auch oft enttäuscht und dachte teilweise nach einem schweren Schicksalsschlag nicht mehr daran, dass ich überhaupt wieder jemanden an meine Seite lassen werde und mich verlieben könnte. Ich hatte auch innerlich komplett mit Männern abgeschlossen – und das sage ich jetzt nicht einfach so. Das war wirklich so. Und dann kam Nico. Seitdem weiss ich, dass man jeden Moment genießen und vor allem auf seinen Bauch hören sollte – für mich ist mein Bauchgefühl eine Mischung aus Herz und Kopf, auf ihn kann ich mich so gut wie immer verlassen. Ich bin auch ein sehr emotionaler Mensch und habe mich auch schon sehr oft deswegen hinterfragt. Aber ich bin zu dem Entschluss gekommen: Genau das bin ich, das macht mich aus und dafür schätzen mich meine wahren Freunde.
    Ich drück‘ Dich ganz doll und danke für diesen offenen und zugleich wunderschönen Blogpost – Du bist toll, vergiss‘ das nie!
    Deine Rosa <3

    • Liebe Rosa,

      vielen Dank für deinen langen und ehrlichen Kommentar.

      Ich freue mich so sehr, dass du in Nico dein Glück gefunden hast – und du hast Recht, all die Emotionen, die wir empfinden machen uns als Menschen aus. Wir sollten sie ausleben, statt sie zu unterdrücken.

      Ich hoffe, dass ich mich genau das irgendwann wieder trauen werde. Wir werden sehen. 😉

      Ich drück dich ganz fest! :-*

      Deine Bea

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