#PERSONAL – Warum Dating immer komplizierter wird

Was früher ziemlich easy-peasy war und sogar Spaß machte, ist heute nur noch anstrengend. Dating ist inzwischen zu einer ziemlich komplizierten Angelegenheit geworden. Und ich wage sogar zu behaupten, dass sich die Schwierigkeit des Datens exponentiell zum Alter verhält.

Und nein, ich will mich jetzt gar nicht über Tinder oder die zunehmende Digitalisierung unserers Datingverhaltens beschweren oder davon schwärmen, dass früher ja alles besser war (war es nämlich nicht). Denn gerade für introvertierte Personen wie mich (zumindest was das Ansprechen von attraktiven Männern angeht), sind Dating-Apps sogar eine echte Bereicherung.

 

Es fehlt der unbeschwerte Blick auf Neues

 

Als ich vor einigen Monaten wieder anfing zu daten, bemerkte ich zunehmend wie verkorkst ich inzwischen bin. Frühere Beziehungen/Affairen haben mich geprägt, mir den unbeschwerten Blick auf alles Neue genommen und dafür gesorgt, dass ich mich in einer permanenten Habachtstellung befinde. Zu viele Enttäuschungen und verletzte Gefühle in der Vergangenheit sorgen oft dafür, dass ich bereits im Vorfeld mit dem Schlimmsten rechne, um so nicht ein weiteres Mal enttäuscht zu werden. Das ist weder mir selbst gegenüber fair, noch der anderen Person. Das weiß ich. Denn im Grunde genommen kann er machen was er will, ich zerdenke Situationen und Handlungen bereits im Vorhinein und lasse selten einen unbeschwerten Blick auf Neues zu. Ich sag ja: Ich bin richtig schön verkorkst.

Und weil ich natürlich keine pubertierenden Jünglinge date, sondern mindestens genauso alte und verkorkste Männer wie ich, wird es ganz schnell, ganz anstrengend. Jeder trägt sein eigenes Päckchen und beherbergt im Inneren seine eigenen dunkeln Dämonen. Spaßig ist auch irgendwie anders.

 

 

Es fehlt die Leichtigkeit. Vielleicht auch gerade deshalb, weil es jetzt passen MUSS. Mit Anfang 20 war es mir ziemlich egal, wie lange die Beziehung hielt. Man tröstete sich schnell mit jemanden neuen und – zack – war die Sache auch schon wieder vergessen. Heute ist es anders. Heute müssen potenzielle Partner den Anspruch erfüllen, absolutes Husband-Material zu sein. Es geht um Fragen wie Kinder, Heirat, gemeinsame Ziele und kompatiblen Vorstellungen vom gemeinsamem Leben. Dinge, die mich vor zehn Jahren nicht interessiert haben, entscheiden jetzt über das Ja oder Nein für eine neue Beziehung.

 

Wir sind keine 20 mehr. Wir wissen, was wir vom Leben erwarten.

 

Ich habe keine Lust mehr diese ewigen Spielchen zwischen Mann und Frau zu spielen. Selbstverständlich weiss ich natürlich nicht von Anfang an, was aus der Sache wird, aber im Hinterkopf halte ich mir trotzdem gerne alle Optionen offen. Ich kenne mich selbst inzwischen viel besser, als ich es mit 20 getan habe und weiß, was ich will. Und wenn die andere Person eine völlig andere Vorstellung beim Thema Lebensplanung hat, dann ist das vollkommen ok, aber dann passt es eben auch nicht. Das war auch früher schon so, aber da spielte es noch keine Rolle, weil man sich ja eh erst einmal selbst finden musste und das Thema Lebensplanung weit weg lag.

Inzwischen bin ich selbstbewusster geworden und schlichtweg nicht mehr so leicht zu beeindrucken oder zu manipulieren wie früher. Und das ist auch gut so. Dennoch vermisse ich die Leichtigkeit, vielleicht auch die Blauäugigkeit einfach mal zu machen. Sich in eine Sache zu stürzen und schauen wohin es führt. Ohne den im Kopf bereits vorgefertigten Bauplan des Einfamilienhauses.

 

Die Sache mit dem sozialen Druck

 

Der Druck von Außen macht die Sache nicht einfacher. Beziehungen sind ab einem gewissen Alter sehr bedeutungsvoll – gerade für das soziale Umfeld, das nur darauf wartet, sich auf deiner Verlobungsfeier gnadenlos betrinken zu können. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass nicht nur das Pärchen selbst unter dem großen sozialen Druck leidet, sondern mit ihm auch das gesamte Umfeld. Die verspüren nämlich einen ganz anderen Druck: mithalten zu müssen. Ätzend, oder? Dabei soll Dating doch Spaß machen! Und das im besten Fall nackt, leicht beschwipst und frei von jeglichem Zwang.

Naja. Ich date weiter, versuche mich weniger zu stressen und die Leichtigkeit zurückzugewinnen. Was soll ich sagen? Klappt so semi gut.

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4 Comments

  • Ich kann das so gut verstehen ich bin noch mal ein bisschen älter und tuche mich seit Jahren schwer eine neue Beziehung zu finden aus vielen Gründen wie du und noch einige mehr und ich finde es genau so schwer wie das ich schon so verzweifelt bin lieber alleine bleibe

  • Meine Maus,

    lustigerweise sitze ich gerade an einem sehr ähnlichen Blogpost – kommt halt davon, dass zwei wie wir uns gefunden haben, die einfach sehr ähnlich ticken und denken.. <3
    Ich verstehe Dich total, aber bin auch sicher, dass dieses Zitat auch ein wenig zutrifft:
    "Still being single at 32 just means I statistically avoided my first divorce." – Logan

    Drück Dich <3

    • Hahaha 😀 Ja, steckt schon viel Wahres drin. Aber auch nur, wenn man aus lauter Angst „allein zu sein“ sich irgendwen, der halt gerade irgendwie passt, schnappt und ehelicht. Etwas, dass nur nach hinten losgehen kann. 😉

      Drück dich <3

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