#PERSONAL – Liebe braucht keinen Valentinstag

Da ist er wieder. Der Tag der Blumen. Der Tag der Verliebten (oder die, die zumindest so tun). Der Tag ausgebuchter Restaurants. Der Tag trauriger Geliebten, weil sie wissen, dass der Mann, den sie anhimmeln, gerade doch lieber im Arm seiner Frau liegt. Und nicht zu vergessen: Der Tag, an dem der zweite Teil von Fifty Shades Of Grey in die Kinos kommt.

Entschuldigt, aber wer möchte bitte Fifty Shades Of Grey an einem Valentinstag im Kino zwischen all den verbitterten Hausmütterchen verbringen, die dank eines Buches endlich ihrer Fantasie freien Lauf lassen können? Bitte, das ist kein romantisches Vorspiel, sondern ein sicheres Verhütungsmittel.

Was ist mit unserem Valentinstag passiert? Wo ist sie, die romantische Vorstellung von Pizza auf dem knarrenden Holzboden bei Kerzenschein? Was ist mit der klassischen, hoffnungslosen Romantik passiert, die weder einen Softporno braucht, noch einen riesigen Strauß roter Rosen, nur damit man(n) überhaupt etwas verschenkt hat? Geht es nur noch darum, das zu machen, was die Gesellschaft von einem verlangt? Zu schenken, damit man etwas verschenkt hat?
Sollte es nicht um den einen kleinen Moment gehen, an dem jemand an dich denkt, dir zeigt, dass er dich gern hat und dich liebt? Stattdessen geht es um große Geschenke und noch übertriebenere Gesten. Eine selbstgeschriebene Karte und ein Kuss am Morgen auf die Stirn reichen schon lange nicht mehr. Es muss mindestens schon eine It-Bag von Chanel sein. Aber bitte die Boy. In schwarz. Mit silberner Hardware. Danke.

Entschuldigt, es ist nicht so, dass ich Geschenke nicht mag oder ein Valentins-Grinch bin, aber ein bisschen Understatement – das wär doch was.
Stattdessen sehe ich verzweifelte Foren-Einträge mit noch verzweifelteren Usern, die jedes Jahr auf’s Neue vor der wahrscheinlich einzig entscheidenen Frage stehen: Was schenke ich meiner Liebsten? Verdammt, führt Eure Angebetete doch einfach zum Essen aus und macht diesen einen, ganz besonderen Tag zum schönsten des gesamten Jahres! Dafür brauchen wir Frauen keine Rosen (seit dem Bachelor wollen wir die ohnehin nicht mehr), keine Pralinen, keine It-Bag, sondern einfach nur das Gefühl hoffnungslos begehrt zu werden. Es tut mir Leid, aber ich möchte einfach keine bunten m&m’s geschenkt bekommen, auf denen die Fratze zu sehen ist, die ich mir ohnehin schon tagtäglich im Spiegel anschauen muss. Oder das Gesicht, das nachts schnarchend neben mir liegt. Ich möchte auch keine kitschigen Schlüsselanhänger mit einem eingelassenen Bild des Liebsten. Wahre, aufrichtige aber unaufgeregte Liebe – das ist es, was ich will.

 

 

Das eigentlich dramatische am Valentinstag ist aber, dass derjenige, der diesen Tag nicht mag und meiden will, wenigstens den Anti-Valentinstag feiern soll. Am besten mit tollen Geschenken für sich selbst. Kapitalismus at its best. Für den Valentins-Hasser gibt es nichts, was es nicht gibt. Egal, ob eine CD mit den 50 schönsten Hass-Songs zum Valentinstag, Reiseziele jegliche Art, um dem Tag der „Liebenden“ zu entfliehen und statt Blind Dates gibt es „Blind Hates“, bei denen sich alle Valentin-Grinches zusammen tun und einander einen Vortrag darüber halten können, was den Valentinstag für sie so unausstehlich macht.
Bei meinen Recherchen hierzu musste ich ziemlich schmunzeln. Unglaublich, wie viel Energie die Leute in etwas stecken, was sie eigentlich gar nicht mögen. Und noch unglaublicher, dass sie es selbst nicht einmal mehr merken.

Ich kann nicht mehr sagen, wie oft sich mein Magen umgedreht hat, bei all diesen Kapitalismus gesteuerten Einträgen im World Wide Web, aber eines weiß ich genau: ich bin froh, dass immerhin ein Unternehmen mitgedacht hat: Denn dank Mon Cherie mit der Piemont-Kirsche kann ich mir den Valentinstag immerhin noch schön saufen, ähm, essen. Danke Ferrero!

 

Titelbild: gänseblümchen/pixelio.de

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